Active Citizenship im Jahr 2020: Kritik und Perspektiven

Die Diskussion über Demokratietheorie wurde im letzten Jahrzehnt von bürger-orientierten Theorien dominiert. In den USA (engagierte Bürgerschaft) wie auch in Europa (aktive Bürgerschaft) oder in Deutschland (Bürgerschaftliches Engagement) wurden diese Theorien von der Überzeugung dominiert, dass es Übertragungsefekte zwischen sozialem und politischem Engagement und Partizipation gibt: Bürger, die integriert und in die Organisationen der Zivilgesellschaft eingebunden sind, werden über kurz oder lang auch in politische Angelegenheiten eingebunden. Besonders anhand der europäischen Version der „aktiven Bürgerschaft“ können wir zeigen, dass diese Überzeugung vorwiegend auf der Theorie des „sozialen Kapitals“ (Robert Putnam) basiert.

Der Essay präsentiert einige Fakten zu dieser Entwicklung der Demokratietheorie und diskutiert diese insbesondere vor dem Hintergrund der Philosophie der „aktiven Bürgerschaft“ in den europäischen Dokumenten (Europarat, CRELLInstitut u. a.). Anschließend zeigt er, dass in den letzten Jahren die Zweifel an den Übertragungsefekten in den Sozialwissenschaften gewachsen sind.

Diese Diskussionen über die Demokratietheorie sind nicht nur für die Zukunft der Demokratie (Postdemokratie?) von höchster Relevanz, sondern auch für die Entwicklung neuer Konzepte der Bürgererziehung. Im Essay fordere ich, dass sich die Konzepte der Bürgererziehung stärker und enger auf politische Fragen beziehen sollten, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Die Frage lautet, ob wir mehr „politisches Kapital“ neben dem (natürlich erforderlichen) „sozialen Kapital“ brauchen und wie wir dieses „politische Kapital“ generieren können. Zumindest stelle ich ein konkretes pädagogisches Konzept für die Ausarbeitung einer europäischen Bürgererziehung vor. Diese Idee von „transnationalen Laboren zum Erlernen aktiver Politik“ wurde bereits vor einigen Jahren auf einer Zukunftskonferenz über internationale Jugendarbeit des IJAB und des deutschen Ministeriums für Jugend geboren.

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